World Arthritis Day – 12.10.2017

Jedes Jahr am 12. Oktober findet der Welt Rheuma Tag statt, um die Anliegen rheumatisch erkrankter Menschen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Aber was sind denn diese Anliegen? Da es nicht DIE rheumatische Erkrankung gibt, sondern verschiedene, ist das nicht so einfach zu beantworten. Arthritis, Arthrose, Osteoperose und Weichteilrheuma sind nur einige davon. Dies ist ein Blog mit Erfahrungsberichten, also erzähle ich euch einen Teil meiner Geschichte.

Fingerpolyarthrose wurde bei mir vor 9 Jahren diagnostiziert. Der Weg bis zur Diagnose war nicht ganz problemlos aber doch um einiges weniger Zeit intensiv als bei vielen anderen Betroffenen. Ich hatte bereits seit 3-4 Jahren abends immer wiederkehrende Schmerzen in den Fingern, da ich aber auch mit den Händen gearbeitet hatte, fand ich dies nicht weiter beunruhigend. Erst als die Schmerzen über Nacht nicht mehr verschwunden sind und mich dauernd begleitet haben, suchte ich meinen Hausarzt auf.

Drei Monate und diverse Tests und Analysen später gab mein Hausarzt auf und schickte mich mit Röntgenbilder meiner Hände zu einem Rheumatologen. Dieser warf einen Blick auf die Unterlagen und hatte schon die Diagnose. Der Hausarzt hatte diese Diagnose aufgrund meines Alters schon zu Beginn ausgeschlossen, ich war noch gute 25 Jahre zu jung dafür. Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel.

Fingerarthrose ist nicht heilbar bis heute, aber die Symptome können bekämpft werden. Dies geschieht vor allem mit Schmerzmitteln und davon nicht zu schwache. Also musste ich meinen Beruf als LKW-Fahrer aufgeben und sozusagen in den Innendienst wechseln. Mein damaliger Arbeitgeber hat mich in der Umschulung unterstützt und glücklicherweise war auch eine passende Stelle im Unternehmen zu besetzen. Nur der Abteilungsleiter hatte wohl nicht so klare Vorstellungen, was meine Hände noch zu leisten im Stande waren. Er teilte mir Arbeiten zu, von denen mein Arzt abgeraten hatte, aber nicht gewillt war dafür ein Zeugnis auszustellen. Da noch so einiges andere in meiner Abteilung nicht reibungslos lief und ich in der glücklichen Lage war, mir eine Auszeit zu gönnen, kündigte ich.

Mittlerweile habe ich einen reinen Bürojob, bei dem ich nicht mal viel tippen muss, denn auch dies ist an schlechten Tagen relativ schmerzhaft. Anfangs hatte ich nur Schmerzen in beiden Händen, mittlerweile kann ich manchmal nicht mal ein leeres Glas oder Teller halten mit einer Hand. Dies ist aber nur eine kleine Einschränkung, die ein Umdenken und entsprechende Hilfsmittel erfordert. Ok, an manchen Tagen und bei gewissen Dingen brauche ich definitiv Hilfe, und das fällt mir nicht immer einfach. Es geht nicht mal nur darum, um Hilfe zu bitten, sondern sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Ich kann theoretisch Hilfe annehmen, aber vor sich selber zuzugeben, dass man etwas nicht mehr alleine machen kann, ist für mich der schwerste Teil. Wie sagte mein ehemaliger Arbeitskollege immer? Lernen durch Schmerz! Ja, manchmal geht es nur so, die eigenen Grenzen aufgezeigt kriegen und dann die Konsequenzen ziehen. Dass ich eine hilfsbereite Mitbewohnerin habe, die auch mal meine Hilfe braucht, macht es einfacher.

Ihr seht, mein Schicksal ist nicht allzu hart, aber mit dem einen oder anderen Stolperstein versehen. Ich lerne langsam mein Leben anzupassen, aber nicht zu ändern. Dass ich bei der Konzertfotografie gelandet bin, ist übrigens auch zum Teil der Krankheit geschuldet. Den Blog habe ich begonnen, um nicht zu vergessen, wie viel Schönes ich an den verschiedenen Konzerten erlebt habe. Ein Blog nur mit Text, war dann aber nicht das was ich wollte. Ausserdem sollte ich nicht mehr ausgelassen klatschen, dies finden meine Gelenke absolut nicht toll und melden sich dann am nächsten Tag vehement zu Wort. Daher hatte ich die glorreiche Idee, meine Spiegelreflexkamera auszumotten und wenn möglich an Konzerte mitzuschleppen. Dann sind ja meine Hände sozusagen besetzt und ich kann gar nicht mehr wirklich klatschen. Dass mir das soviel Spass macht, hätte ich anfangs gar nicht gedacht, und mittlerweile kann ich es kaum noch lassen.

img_3207Da aber so eine Kamera auf Dauer nicht gerade leicht ist und, wie kann es anders sein, das Gewicht auf die Fingergelenke geht, musste ich mir hier was einfallen lassen. Mittlerweile habe ich mir eine Handgelenksschlaufe besorgt. Diese kann zwar während des eigentlichen Fotografierens nicht viel des Gewichtes abnehmen, aber zwischen den einzelnen Bildern muss ich so die Kamera kaum festhalten. Ausserdem behelfe ich mich mit Kinesiotape, im Zusammenspiel funktioniert das eigentlich ganz gut.

Auch im Alltag sind einige kleine Hilfsmittel dazu gekommen, wie zum Beispiel ein Drehverschlussöffner, und manchmal hilft eine kleine Spitzzange beim Kaffeegenuss. Dachte manch einer noch in der Schule, dass er Physik nie wieder brauchen kann, ich hätte da ein Gegenargument. Das Hebelgesetz ist ein essentieller Bestandteil im Alltag um Kraft zu sparen.

Manche Dinge kann man nicht vereinfachen, dann ist das halt so. Deswegen hänge ich die Nähnadel aber noch nicht an den Nagel, sondern lasse mir halt meistens entsprechend mehr Zeit für ein Projekt. Also eigentlich nach Lust und Laune, und wenn der angepeilte Fertigstellungszeitpunkt erreicht ist und das Projekt noch nicht fertig, dann ist das halt so. Ich versuche auch, von Anfang an mehr Zeit einzuplanen, aber manchmal, also oft, habe ich auf den letzten Drücker noch eine Idee. Klar ärgert es mich, wenn ich es dann nicht hinkriege, aber sich damit abzufinden ist ein weiterer Lernprozess, bei dem ich noch mittendrin bin.

Eines hoffentlich noch weit entfernten Tages werde ich einiges davon nicht mehr machen können, wenigstens nicht mehr in dem Ausmass. Beim momentanen Stand der Medizin werde ich irgendwann komplett versteifte Finger haben, evtl das eine oder andere Gelenk operiert und möglicherweise „ersetzt“ haben. Das ist aber nicht heute und auch nicht morgen, also nehme ich mit, was geht und lebe wie es mir gefällt.


3 Gedanken zu “World Arthritis Day – 12.10.2017

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