Schwarze Wolken

Es gibt die Tage an denen alles schief läuft, was auch nur irgendwie schief laufen kann. Dinge auf die man selber keinen Einfluss hat, wo man nur auf Gegebenheiten reagieren muss. Mal klappt dies nicht, an einem anderen Tag jenes, und dann sind da die Tage an denen alles zusammen kommt. Gestern war so ein Tag. 

Ich sage nicht, dass ich fehlerlos arbeite, denn das wäre glatt gelogen. Aber in diesem Falle, hatte ich alles Menschenmögliche getan, um die Katastrophe zu verhindern und das Blatt doch noch zu wenden (Zitat von einem der Big Bosse). Normalerweise wäre dies ein Tag, an dem ich zwar geschafft bin, aber auch zum Teil zur absoluten Hochform auflaufe und ein wenig stolz auf meine Arbeit bin. Ein Tag, an dem ich die verbalen Entgleisungen der Kunden, bestimmt aber anständig zurückweise. Da ich zwar verstehe, dass sie sauer sind, ich aber nicht ihr Fussabtreter bin.

Und dann gibt es die Tage, an denen man nicht alles so einfach wegstecken kann. Tage an denen durch solche Vorfälle meine andere Seite getriggert wird. Die Seite die antriebslos, lustlos, tieftraurig und ja auch teilweise hoffnungslos und aggressiv ist. Nicht zu verwechseln mit einer ernsthaften Depression, ist dies ein Teil meiner Persönlichkeit, diagnostizierte depressive Persönlichkeit. Ein Teil, der mich in den letzten Jahren immer seltener heimgesucht hat, aber dennoch nie ganz verschwindet. Einen Teil, den ich mit den richtigen Menschen um mich herum, tollen Erlebnissen mit ihnen und meinem Humor oft in Schach halten kann.

Ein wichtiger Teil davon ist Laju, sie kennt vermutlich meine peinlichsten Taten, fast alle meine dunkelsten Geheimnisse und vor allem meine Schwächen, und dennoch bin ich, soweit ich in der Lage dazu bin, überzeugt, dass sie mich dennoch mag und akzeptiert. Ein Restzweifel bleibt immer, wieder ein Teil meiner „dunklen“ Seite, der davon ausgeht, dass mich keiner mögen kann. Das ist nichts rationales, nichts was man wegdiskutieren oder das Gegenteil beweisen kann. Das grösste Problem mit diesem Restzweifel ist der Teufelskreis: wenn dich eine Person aufrichtig und ehrlich mag, wird sie dadurch verletzt und zieht sich im schlimmsten Falle zurück, auch um sich selber zu schützen. Voilà, hat die dunkle Gwen doch wieder recht gehabt.

Und dann hat man eine Mitbewohnerin, beste Freundin und Herzensschwester, die einfach das Richtige tut, ob bewusst oder unbewusst. Mich einfach auch mal mies gelaunt sein lassen, die nicht versucht mich auf Teufel komm raus aufzumuntern. Mich mal schont, auch wenn sie eigentlich möchte, dass ich etwas mit ihr zusammen mache. Akzeptiert, dass ich besser Dinge erledige, wo keine Teamarbeit und Geduld gefragt ist. Irgendwann fand ich wieder Teile meines Humors, aber Anfangs hätten mich lustige Dinge nur aggressiv gemacht. Auch wenn ich heute noch nicht ganz zu meiner unternehmungslustigen Seite gefunden habe, sehe ich durchaus den Lichtstreifen am Horizont, manchmal.

Heute nach der Arbeit geht es wieder einmal an ein Festival, und ganz ehrlich, ich habe eigentlich überhaupt kein Bock darauf, lieber würde ich mich verkriechen. Nur erstens bringt das nichts, zweitens bin ich eigentlich eine Verpflichtung eingegangen und drittens wird das schon, wenn wir erst mal da sind. Ich kenne das schon von mir, wenn ich zu tun habe und in guter Gesellschaft bin, kann ich es auch geniessen und bin wieder massiv besser drauf. Es werden auch ganz viele Menschen da sein, denen ich völlig egal bin, und so seltsam es tönen mag, das ist auch ein Teil, auf den ich mich freue. Und keiner wundert sich, dass ich komplett Schwarz trage, oder macht einen dummen Spruch dazu. Ich trage auch an guten Tagen fast nur Schwarz, einfach weil es mir gefällt. An schlechten Tagen wie heute, würde ich etwas fröhlicheres als Schwarz schlicht und einfach nicht ertragen.

Anwesend sind im Moment die Traurigkeit und die Lustlosigkeit, nicht in extremen Ausmassen, aber so als allgemeiner Grundtenor. Notfalls kann ich das fremden Menschen gegenüber überspielen, bei Laju wird das nicht ganz so gut funktionieren, sie kennt mich einfach zu gut. Warum ich das überspiele? Ist ja eigentlich nicht ehrlich und so. Aber erstens kann keiner um mich herum etwas dafür und zweitens kann ich das Wochenende auch eher geniessen so. Ich muss ja nicht wegen „nichts“ anderen die Stimmung verderben, es würde sich für mich nichts ändern und wäre somit auch auf der egoistischen Schiene völlig sinnbefreit, und einfacher ist es für alle auch. Wenn ich mal schlecht drauf bin, muss nicht jeder wissen wieso, das will auch nicht jeder wissen und ich will es auch nicht immer erklären.

Warum ich das jetzt hier öffentlich schreibe? Weil es mir hilft. Es hilft mir selber damit klar zu kommen, es selber zu verstehen und vielleicht auch, dass andere Leute meine Launen nicht persönlich nehmen. Ausserdem hilft es mir dabei, dem wichtigsten Menschen in meinem Leben (damit ist keine romantische Beziehung gemeint) auch mitzuteilen, dass ich sehr wohl sehe und schätze was sie tut. Ich kann das nicht immer sehr gut zeigen und ausdrücken, und es ist wichtig, dass man dies dem anderen auch mal sagt, in meinem Falle halt schreibt. Es ist nicht immer einfach um mich herum, braucht viel Geduld und auch Nachsicht. Ich kann Nähe immer noch nicht in jeder Situation zulassen, manchmal könnte man das auch mit ertragen ersetzen. Für jemanden mit dem fürsorglichen Naturell von Laju bestimmt schwer, dann einfach nur daneben zu stehen, aber sie tut es dennoch für mich. Und dann kriege ich trotzdem eine Umarmung, die einzige, die ich in dem Moment auch zulassen konnte. Und die hat sowas von gut getan.


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