Erster Drachenwelpe geschlüpft

So als Drachenzüchterin ist es ja logischerweise meine Aufgabe für Drachennachwuchs zu sorgen. Da ich aber nicht besonders gut im Eier ausbrüten bin und auch nicht durch Feuer gehen kann, dafür aber ein wenig mit Nadel und Faden umgehen, ist es ein flauschiger Drache geworden.

twilightforce-heroesofmightymagic (1)Immer wieder hielten Laju und ich Ausschau nach Drachen, die wir auch an ein MPS mitnehmen können, gefunden haben wir aber nie das perfekte Objekt. Gerade ich bin da überaus wählerisch. Zusammen mit Purple teilen wir mehrere Leidenschaften, unter anderem auch die für die schwedische Band Twilight Force. Da diese nun ein Cover mit einem Drachen darauf hat und auf diesem Album der Song „Flight of the Sappire Dragon“ zu finden ist, kam immer wieder die Idee auf, dass man doch einen dazu passenden Drachen haben müsste. Aber den zu finden stellte sich als ziemlich schwierig heraus.

Da ich mich schon länger mit dem Gedanken getragen hatte, selber mal ein Plüschtier zu machen, wurde dies nun mein erstes Projekt. Den Stoff hatte ich schon vor einiger Zeit bestellt, nach intensiver Recherche fand ich im Internet einen Anbieter von hochwertigem Plüsch, bei dem sowohl das Material (auch in Kleinmengen) als auch der Versand bezahlbar waren und die Vielfalt an Farben meinen Vorstellungen entsprach. Einen Anbieter für die von uns so geliebten Glitzeraugen fand sich auch relativ schnell. Und wer jetzt meint, man sollte lieber die lokalen Geschäfte unterstützen, hat zwar in mancher Hinsicht recht, aber was ich suchte, fand ich da nicht in der gewünschten Ausführung. Gerade was DIY Projekte betrifft, ist es da in unserem kleinen Land nicht immer einfach, die Grundmaterialien zu beschaffen.

Das Schnittmuster fehlte ja noch. Wie sollte der Drache denn nun aussehen? Zu einfach soll er ja nicht sein, ein wenig niedlich aussehen und für einen ersten Versuch nicht zu kompliziert. Als Inspiration hatte ich mich auf DeviantArt umgesehen und einige fantastische Sachen gesehen. Als ich mich nun auf Schnittmuster Suche begab, musste ich schnell feststellen, dass die kostenlosen überhaupt nicht meinen neuen Vorstellungen entsprachen. Die Künstler auf DeviantArt verkaufen oft ihre Schnittmuster nicht, verständlicherweise, weil sie ihre Plüschis teilweise auf Kundenwunsch anfertigen und verkaufen. Also blieb mir nur die Wahl zwischen meine Ansprüche senken oder selber ein Schnittmuster zeichnen. Wenn ich aber im Kopf habe, wie etwas aussehen soll, dann kann ich davon nicht so einfach abweichen, glaubt mir, das macht das Leben nicht immer einfacher.

Also hiess es erst mal Bleistift und Papier hervorkramen und Schnittmuster entwerfen. Da ich vor einer Weile mal ein Schnittmuster für ein anderes (noch nicht genähtes) Plüschi gekauft hatte, hatte ich immerhin einen Anhaltspunkt, wie ich zum Beispiel die Hüfte nach meinen Vorstellungen hinkriege. Einiges musste ich auf gut Glück probieren und wieder anderes wollte ich während der Fertigung entscheiden und anpassen. Und wieder einmal hatte ich zu lange mit der Suche nach dem vielleicht doch passenden fertigen Schnittmuster vertrödelt. Die Zeit wurde knapp, denn der Drache sollte mit nach Wacken. Die oben genannte Band würde da spielen, also der ideale Zeitpunkt für den ersten Ausflug und Auftritt.

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Da meine Nähmaschine mit fusselndem Stoff oft überfordert ist, entschied ich mich das ganze Teil von Hand zu nähen. Da mein Plüsch ganz leicht dehnbar ist verzeiht es einiges, die Härchen sind da auch ganz hilfreich, und die Nähte sind nicht den selben Anforderungen ausgesetzt wie zum Beispiel bei Kleidung. Ich bin nicht so der Fan von erst mal einen Prototypen nähen, wenn man ihn nicht weiter verwenden kann. Ausserdem habe ich keinen anderen Stoff, der sich so wie dieser Plüsch verhält, von daher gleich ins kalte Wasser springen. Bei einigen Teilen hatte ich daher die Nahtzugabe etwas sehr grosszügig gemacht, so vermied ich es, das ganze Teil bei Fehlüberlegungen noch einmal zuschneiden zu müssen.

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Noch kopflos, aber sieht gar nicht so übel aus.

Die erste Hürde war die Hüfte des Drachens, die man so oder so nicht hätte mit der Maschine nähen können, zu viel Stoff am falschen Ort und alles in sehr klein. Nachdem diese Klippe umschifft war, war ich relativ zuversichtlich, dass ich die Aufgabe schaffen könnte, nur ob es in der Zeit noch reicht? Sich darüber den Kopf zerbrechen hilft nicht, also weiterarbeiten. Als sogar das Bauchteil passte und die zusätzliche Nahtzugabe nicht benötigt wurde, wurde ich geradezu euhorisch. Den Körper gestopft und fertig zugenäht, natürlich mit den Spezialzutaten in den Füssen, sieht das Ganze eigentlich mehr oder weniger so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ein grosses Erfolgserlebnis, ich hatte kaum zu wagen gehofft, dass dies so gut gelingt, also die Umsetzung von Vorstellung zu Schnittmuster und dann 3D.

Als nächstes war der Kopf dran. Hier hatte ich mich rein auf meine Beobachtungsgabe verlassen und aufgrund dieser Schnittmuster gezeichnet. Vielleicht proportional ein wenig zu gross im Vergleich zum Körper, aber bei einem Drachenwelpen geht das schon, soll mir erst mal einer beweisen, dass es so nicht sein kann. Der Kopf war schnell genäht und auch die Augenauswahl und -position war schneller erledigt, als befürchtet. Ohren kriegt dieser Drache bewusst nicht, ich hätte sonst das Schnittmuster anders machen müssen und zuviel experimentieren wollte ich nun doch noch nicht. Aber wie gesagt bei Drachen darf man das. Der Kopf wird nun erst mal wieder zur Seite gelegt, bevor er endgültig gestopft wird, müssen noch einige Sachen daran gemacht werden, wie Verzierungen aufbringen und so. Das geht einfacher, wenn er noch nicht ganz prall ist, ein wenig Füllmateriel muss aber sein, um die Positionen der Applikationen bestimmen zu können.

img_6457Erst mal sind die Flügel an der Reihe, unter anderem, weil ich noch auf Material für den Kopf warte, das ich nachbestellt hatte. Sollte es nicht rechtzeitig ankommen, hatte ich noch eine Lösung in der Hinterhand, aber halt nicht die Wunschlösung. Die Flügel waren ebenfalls trotz friemeliger Ecken gar nicht so kompliziert, ist bei meinen selbst gefertigten Schnittmustern durchaus nicht immer der Fall. Manchmal mache ich mir das Leben selber schwer. Die Flügel noch an den Körper angenäht und hoffen, dass sie fest genug verankert sind um da zu bleiben, wo ich sie haben wollte. Bis hierhin stecken ohne Recherche und Schnittmuster zeichnen etwa 10 Stunden Arbeit in diesem Plüschtier und noch einige liegen vor mir. Jetzt hiess es erst mal abwarten, ob der Kurier das Paket am nächsten Tag bringt oder ob ich mit der Ersatzlösung vorlieb nehmen muss.

Also der nächste Tag kam und das Paket nicht. Also die Ersatzlösung, ganz ehrlich, so im Nachhinein bin ich damit eigentlich ganz zufrieden, vielleicht wäre das Resultat auch mit Paket nicht anders gewesen. Also nun an die Fertigstellung des Kopfes, der schwierigste Teil des ganzen Unternehmens. Nicht weil es technisch sehr anspruchsvoll war, sondern weil es hier auf die richtige Platzierung ankommt. Hier kann man mit leichten Veränderungen praktisch den Charakter des Plüschis verändern. Lieb, böse oder img_6484naiv, nur mit der Platzierung der Augen kann man hier durchaus Einfluss nehmen. Das wichtigste aber ist natürlich, dass die Augen parallel sind. Da meine Augen eine Schlitzpupille haben, musste ich auch auf die Ausrichtung der Augen achten. Am besten geht das mit einem provisorisch ausgestopften Kopf. Ich benutzte Sicherheitsaugen, wenn diese einmal fest angebracht sind, kann man sie nur noch mit Zerstörung wieder entfernen. Daher habe ich sie erst einmal nur provisorisch angebracht. Zuerst mussten die weiteren Elemente am Kopf „ausprobiert“ werden.

Für den Kopf hatte ich mehrere Ideen, die mir aber im Endeffekt für ein Drachenbaby nicht passend erschienen. Diese werden bestimmt mal bei einem anderen Projekt mal zum Einsatz kommen, hier hatte ich mich für die einfachere Variante entschieden. Nachdem diese Elemente angenäht waren, nahm ich die Füllung wieder raus und sicherte die Augen an ihrem endgültigen Platz. Dann wurde der Kopf sorgfältig wieder gefüllt und in einer leichten Schrägstellung am Körper angenäht. Ich erhoffte mir einen leicht fragenden, niedlichen Ausdruck dadurch. Noch war ich aber nicht ganz fertig. Nach so langer Zeit in einem Ei hat der Kopf eines frisch geschlüpften Drachens ein wenig dessen Form angenommen. Also noch einmal Faden in die Hand genommen, diesmal mit einer Puppennadel, dies sind besonders lange Nähnadeln. Was ich jetzt machte, nennt sich im Englischen „needle sculpting“ oder „thread sculpting“, den deutschen Begriff dafür kenne ich gar nicht, fällt mir gerade auf. Damit kann man die Form eines Plüschis oder auch einer Stoffpuppe noch ein wenig verändern, wie zum Beispiel die Augen ein wenig in den Stoff/Kopf versenken, damit sie nicht so aufgesetzt wirken. Bei Stoffpuppen werden so die Gesichtszüge ausgearbeitet.

img_6483Nun war der Kleine fertig, nur noch nicht ausgehfein. Plüschis brauchen immer ein Halsband und eine Leine, sie haben die Tendenz sich im Gedränge abzusetzen.  Da meine üblichen Halsbänder alle zu gross für den schlanken Hals meines Drachen waren, musste ich selber etwas machen. Von meinem letzten Bastelprojekt hatte ich noch eine Kette übrig, und die fand ich eigentlich ganz passend, um einen Drachen im Zaum zu halten. Von meinen Kettenhemdtätigkeiten habe ich Ringe und Drachenschuppen aus Aluminium in verschiedenen Grössen zu Hause, damit liess sich doch was machen, inklusive Verzierung. Nun war der Drache bereit für Wacken, wenigsten einer von uns beiden.

img_6480Die Detailarbeit am Kopf dauerte noch einmal knapp 4 Stunden, also stecken in dem Welpen etwa 14 Stunden Arbeit ab dem fertigen Schnittmuster. Apropos Schnittmuster, da werden möglicherweise noch ein paar Änderungen erfolgen für mögliche Geschwister, Stoff und Ideen habe ich noch genug.


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