Horizonterweiterung

Morgen geht es nach Wacken! Ich, die eigentlich Menschenansammlungen gerne meidet, gehe an eines der grössten Festivals. Wie gross das ist, kann ich mir nicht mal vorstellen, aber ich weiss, dass dort ca 100’000 Menschen sein werden. Also soviel wie die sechst grösste Stadt in der Schweiz Einwohner hat. Also Desensibilisierung extrem! 

Nervös bin ich schon, aber ich bin ja nicht alleine da. Und ausserdem habe ich zu tun. Ich fahre ja nicht nur zum Vergnügen, also eigentlich schon, denn Fotografieren macht mir ja Spass. Aber trotzdem werde ich mich mit eigens gesetzten Pflichtterminen auseinandersetzten dürfen. Ausserdem soll durchaus auch gefeiert werden, das

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Saltatio Mortis @ MPS Weil am Rhein II 2017

gehört zu einem Festival dazu, und um darüber schreiben zu können, muss man es erleben. Ich rede nicht von saufen bis zum Umfallen, ist erstens nicht meine Art und zweitens nicht unbedingt förderlich für die Erinnerung. Aber zur Musik abzufeiern, auch mal mitten drin statt nur dabei, möglichst viele Angebote des Veranstalters anschauen resp. nutzen und einfach nur die Atmosphäre geniessen, das gehört für mich dazu.

Da ich nicht die ganze Woche Urlaub bekommen habe, kann ich leider erst morgen nach der Arbeit Richtung Norden reisen. Das heisst erstmal ankommen und akklimatisieren, dann aber zwei Festival Tage komplett geniessen. Die Alternative wäre gewesen gar nicht zu fahren. Auch wenn ich einige der Musiker verpasse, wegen denen ich fahren wollte, sind immer noch genügend Wunschkandidaten übrig. Und mal ehrlich, wenn ich als relativer Neuling in der Konzertfotografie nach Wacken kann, um zu knipsen, dann mache ich das. Da kriege ich möglicherweise Bands vor die Linse, bei denen ich sonst kaum eine Akkreditierung bekommen würde. Ausserdem kann ich da viel lernen, und da ich nicht alleine da bin, habe ich auch nicht den ganzen Druck, was Vernünftiges abzuliefern. Wenn man eine Presse-Akkreditierung erhält, erwartet der Veranstalter auch etwas dafür.

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Fiddler’s Green @ Highlandgames Fehraltorf 2016

Die Erwartungen, die ich an mich selber stelle, stehen auf einem ganz anderen Blatt. Die sind nicht niedriger, als wenn ich alleine unterwegs bin. Egal wo und was, ich will ja möglichst gute Bilder abliefern, da diese auch mein Aushängeschild/meine Bewerbung für weitere Veranstaltungen sind. Dasselbe, wenn ich nicht für den Blog, sondern im Auftrag arbeite. Das Webzine legt sich ins Zeug, um mir eine Akkreditierung zu besorgen, sollte mein Teil nicht mindestens zufriedenstellend sein, wäre das auch nicht fair. Ausserdem soll sich der „Auftraggeber“ sicher sein, dass es sich lohnt mit mir zu arbeiten, sonst braucht er mich auch nicht unbedingt. Es ist also alles eine Wechselwirkung.

So ein Freiticket für die Presse und Fotografen ist nicht wirklich kostenlos, sondern ist in der Regel mit Bedingungen und Auflagen verknüpft.  Und wenn wir mal kurz über Geld reden, Anreise und Verpflegung bezahlen die meisten, vor allem die nicht Festangestellten, aus der eigenen Tasche. Ausserdem sind die letzten 12 Monate mehr Geld in Ausrüstung geflossen, als ich für die entsprechende Anzahl Tickets bezahlt hätte. Ich beschwere mich ja nicht, ich mache es leidenschaftlich gerne, einfach nur der Klarstellung wegen. Bedingungen und Auflagen sind unter anderem in meinem Fall bei Wacken unter anderem, dass die Bilder und Texte bei Metalnews zuerst veröffentlicht werden. Verständlicherweise, da dieses Magazin mir die Akkreditierung ermöglicht, mein kleiner Blog ist nicht gross und interessant genug für ein Festival dieser Grössenordnung. Da geht es noch nicht mal um die Qualität meiner Arbeit, sondern rein um die Reichweite.

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Fuchsteufelswild @ Kulturschloss Theuern 2017

Die grösste Beruhigung in Sachen Wacken ist, dass dieser Veranstalter schon seit einer Weile im Geschäft ist und weiss was er tut. Es gibt durchaus einige Veranstalter, die sich mit der Gesetzeslage und der Umsetzbarkeit ihrer Ideen nicht wirklich auseinander gesetzt haben. Wenn mir zum Beispiel ein Veranstalter im Nachhinein praktisch im Vorbeigehen erklärt, dass er alle Rechte (inklusive Urheberrecht) an meinen Bildern besitzt, finde ich das eher seltsam und fragwürdig. Ich mache die Bilder ja nicht nur wegen der Freude am Auslöser drücken. Solche Dinge gehören im Vorfeld abgemacht und sollten auch besser schriftlich geregelt sein, aber darum brauche ich mir ja dieses Wochenende keine Gedanken zu machen.

Eigentlich sollte der Artikel eher um „My Road to Wacken“ handeln, aber manchmal kommt es anders als man denkt. Ich freue mich allerdings riesig auf meine persönliche Horizonterweiterung und vor allem auch auf die Menschen, die ich da wiedersehe oder kennenlernen darf. Bis hier auf dem Blog die ersten Ergebnisse davon zu sehen sein werden, könnte es allerdings noch ein klein bisschen dauern, eben zuerst Metalnews, dann hier.


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