Diskurs oder Boykott

Und wieder einmal wird hitzig diskutiert unter Musikfans, das Thema heute: sollen politisch links angesiedelte Bands auf dem selben Festival spielen, wie Bands, die Kritiker rechts einordnen?

Ich will mich hier nicht über die politischen Einstellungen von Musikern auslassen, ich kann nicht wirklich zu allen Beteiligten was sagen, habe ich mich doch weder mit ihnen als Person noch mit den Texten all ihrer Werke intensiv auseinander gesetzt. Ich müsste mich hier grösstenteils auf Hörensagen berufen und das hat keine sonderlich gute Beweiskraft.

Wichtig finde ich auch erst einmal festzuhalten, dass eine Band für Radikale (egal, ob links oder rechts) interessant sein kann, ob sie selber dazu neigt oder nicht. Texte und Aussagen können durchaus instrumentalisiert oder anders interpretiert werden, als dies die ursprüngliche Absicht der Künstler war. Falsch zitiert, aus dem Zusammenhang gerissen und die Aussagen verdreht, Personen des öffentlichen Lebens kennen dies sicher bestens, aber auch ein Facebook Post von Otto Normalverbraucher kann diesen „Stilmitteln“ begegnen.

Zudem ist eine politisch rechte Einstellung genau so legitim wie eine politisch linke, auch eine entsprechende Meinungsäusserung ist in beiden Fällen per Gesetz ausdrücklich erlaubt (Thema Meinungsäusserungsfreiheit). Da ich für mich die Freiheit beanspruche eine eigene Meinung zu haben, und zwar die, die ich will, muss ich in meinen Augen auch zwingend diese Freiheit anderen Menschen zugestehen, sogar eine radikale. Das muss mir nicht gefallen, aber ich habe kein Recht jemandem vorzuschreiben, was für eine Meinung er hat. Das Handeln nach einer Meinung ist aber ein anderes Thema, und zwar dann, wenn es wider das Gesetz ist. Das beginnt für mich bereits beim Tatbestand der Beleidigung und Ehrverletzung, ganz zu schweigen von Sachbeschädigung, Vandalismus und Körperverletzung oder Schlimmerem.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, sollen also Bands unterschiedlicher politischer Couleur auf dem selben Festival spielen? Ja, wenn sie das möchten, auf jeden Fall. Und wieso nicht? Nur weil man unterschiedlicher Meinung ist? Gerade wenn man unterschiedliche Ansichten hat, sollte man zusammenkommen und es auf friedliche Weise „austragen“. Die Meinung nur da äussern, wo alle in die gleiche Richtung denken, verändert die Welt nicht, sondern Andersdenkende erreichen und zum Nachdenken bringen, könnte eher ein Schritt in die richtige Richtung sein. Und wir reden hier immer noch von einem Musikfestival und nicht von einer politischen Veranstaltung, wie Wahlveranstaltung oder Parteitag.

Dieselbe Diskussion gab es offensichtlich vor ziemlich genau drei Jahren schon einmal, als angekündigt wurde, dass Saltatio Mortis und Frei.Wild auf dem selben Festival spielen würden. Und das ist, was meine Lieblingsband zu dem Thema zu sagen hatte, und ich im übrigen so auch unterschreiben würde:


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