Krieg kennt keine Sieger

Wie ihr schon dem Titel entnehmen könnt, geht es mal wieder um ein ernstes Thema. Angeregt wurde dieser Artikel von einem Bericht über einen Pfarrer, der im Irak in einem Flüchtlingslager arbeitet. In diesem Lager leben Flüchtlinge des Syrienkonfliktes verschiedenster Religionen, das Ziel ist es, dass sie nicht nur nebeneinander leben, sondern miteinander.

Ich selber habe nie einen Krieg erlebt, ich kenne nur Berichte aus erster und zweiter Hand. Das reicht mir auch, ich möchte nicht wirklich näher dran sein. Schon mal was von sauberer Kriegsführung gelesen? An einem Krieg ist nichts sauber, Menschen sterben nicht leise und sanft, sie verrecken teilweise elendig, unter unerträglichen Schmerzen, im Dreck. Menschen verhungern oder sterben an „leichten“ Verletzungen, weil der Nachschub an Nahrung, sauberem Wasser und Medikamenten fehlt.

Und was ist, wenn der Krieg vorbei ist? Alles wieder eitel Sonnenschein? Ich habe die Zeit danach erlebt und wie ihr euch vorstellen könnt, ist es das nicht. Die Toten sind immer noch tot, Gebäude und Infrastruktur zerstört und noch einige Zeit sind die Überlebenden weiter in Lebensgefahr. Der Nachschub braucht Zeit, bis er alle erreicht. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit wird es Todesopfer und Verletzte durch Blindgänger und Minen geben, und das Jahre oder gar Jahrzehnte lang. Die Menschen, egal ob Soldat oder Zivilbevölkerung, haben mit das Schlimmste gesehen und erlebt, was Menschen einander antun können. Dass man da nicht so einfach zum Alltag zurückkehren kann, ist wohl logisch. Sie haben sich verändert, sie haben Todesangst und Hass kennengelernt, in einem Ausmass, das die meisten von uns kaum vorstellen können.

Nur weil ein Friedensvertrag geschlossen wurde, ist ein Krieg noch nicht wirklich vorbei. Hass und Vorurteile, die von den Kriegsparteien gefördert oder durch Propaganda gezielt hervorgerufen wurde, sind immer noch da. Die Menschen müssen erst wieder lernen, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden, ansonsten ist der nächste Konflikt bereits vorprogrammiert. Aber auch die Propaganda und Falschinformationen verschwinden nicht einfach, nur weil die entsprechende ursprüngliche Maschinerie nicht mehr existiert. Auch Ideologien sterben nicht einfach aus, nur weil die Anhänger in einem Konflikt unterliegen. Im Gegenteil, sie können und werden auch Generationen später immer wieder für Gewalt, Unruhe und im schlimmsten Fall wieder Krieg sorgen.

Krieg löst keine Probleme, im Gegenteil, er schafft Probleme. Er hinterlässt Spuren aus Angst, Tod und Terror. Spuren, die vielleicht für gewisse Zeit überdeckt werden können, aber nie wieder ganz verschwinden. Die Menschen werden so stark von der Geschichte beeinflusst, der Vergangenheit anderer Menschen, wäre es nicht schön, wenn wir bereit wären, mindestens genauso viel daraus zu  lernen?

Und ich vergab dem Todesengel.
Was er tat hat mich verletzt
Zorn und Hass sind schwarze Samen
Saat, aus der nur Krieg erwächst.

Saltatio Mortis – Todesengel


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