Science Fiction und Fantasy – Unterhaltung oder doch mehr?

In meiner biologischen Familie bin ich ein kleiner Exot mit meiner Leidenschaft für Fantasy und meiner Vergangenheit und Gegenwart als Trekkie. Wirklichkeitsfremd und unrealistisch sind eher die harmloseren Bemerkungen zu dem Thema. Klar kann Fantasy und Science Fiction nur zur Unterhaltung dienen, aber wenn man genau hinschaut gibt es durchaus sehr viel Interessantes zu entdecken. Dinge, die nicht ganz so realitätsfremd sind wie sie scheinen.

Einer meiner Lieblingsautoren in Bezug auf Fantasy ist Terry Pratchett mit seinen Scheibenwelt-Romanen. In diesen Büchern trifft man auf den ersten Blick auf völlig abgedrehte Gestalten und Gesellschaftsformen mit sehr fantasievollen Regeln und Gesetzen. Lässt man sich aber darauf ein, kann man eine sehr humorvolle überspitzte Darstellung tatsächlicher Verhaltensweisen und -regeln erkennen. In manchen Figuren auch Charakterzüge von sich selber, nicht immer schmeichelhaft, aber vielleicht gerade deswegen notwendig. In abstruse Situationen verpackt zeigt er meiner Meinung nach, welche Mechaniken und Einflüsse unsere reale Welt bewegen. Deutlich erkennbar, wenn man denn über den reinen Buchstaben hinaus denkt und Gedankenspielen wie „was wäre, wenn..“ freien Lauf lässt.

Als ich mit 15 die ersten Star Trek  Folgen (TNG) im Fernsehen gesehen hatte, ging es mir in erster Linie eher um den Unterhaltungswert dieser Serie. Aber bereits da fand ich die Welt, die Gene Roddenberry geschaffen hatte faszinierend. Die Werte, die in dieser Gesellschaft vertreten werden, die Integration aller möglichen Lebensformen und Rassen – Dinge, die ich durchaus auch in der Realität vorfinden möchte. Es wird nach Taten und nicht nach Herkunft und Aussehen beurteilt.

Eine Welt in der Integrität, Zivilcourage, Respekt und Anstand zu den wichtigsten Eigenschaften gehören, und Freiheit als Grundrecht nicht nur niedergeschrieben steht. Auch in dieser Welt gibt es Dinge, die nicht perfekt sind, aber darum geht es mir nicht. Es geht mir darum, dass diese Welten mich zum nachdenken anregen und diese Werte auch mein Weltbild mitgeprägt haben. Es ist das Streben nach den Werten und der Kampf um den Erhalt dieser Werte, die mich inspiriert haben und immer noch tun.

Wenn ich heute zurückschaue auf die alten Folgen, dann sehe ich einiges, was mir nicht mehr ganz so gut gefällt. Gerade in Bezug auf die Geschlechterrollen fällt die Serie oft in Klischees zurück, männliche Helden und Frauen mit tiefen Ausschnitten, oft in einer unterstützenden Position. Wenn ich aber bedenke, in welcher Zeit die Serie gedreht wurde, dann wird mir klar, dass für diese Zeit die Macher immer wieder einen kleinen Schritt weiter gegangen sind, als andere und als die Realität. Grössere Schritte hätten vielleicht die Serie nicht so erfolgreich werden lassen, immerhin sind damals in einigen Teilen der USA gewisse Szenen/Folgen nicht ausgestrahlt worden.

Einige andere Dinge fallen mir dafür mittlerweile positiv auf, die ich zuerst nicht wahrgenommen habe. Dinge die in dieser zukünftigen Gesellschaft für selbstverständlich gehalten werden, werden manchmal auch genau so dargestellt. Im Hintergrund sieht man zum Beispiel ab und zu ein männliches Crewmitglied in der Minirock Uniform, es ist eine offizielle Uniform und daher dürfen sie in dieser Welt auch alle Sternenflotten Offiziere tragen, Geschlecht egal. Es wurden Stimmen laut, dass Themen wie Homosexualität und in diesem Fall Crossdressing offensichtlicher angegangen werden sollten im Star Trek Universum. Ich denke aber mit der selbstverständlichen Art wie es gemacht wurde, ohne direkt darauf hinzuweisen, wurde auch ein Zeichen gesetzt. Und zwar, dass in dieser Gesellschaft genau das nicht mehr nötig ist, weil bereits selbstverständlich und völlig normal im Alltag.

Wie im aktuellen Kino Film Beyond (Achtung, winzig kleiner Spoiler!). Hikaru Sulu wird von einem Mann und einem kleinen Mädchen vom Schiff abgeholt und sie gehen Arm in Arm weg. Unkommentiert von den Umstehenden, nicht erklärt, welcher Art die Beziehung der beiden Männer ist, auch nicht dem Zuschauer. Und genau das fühlt sich richtig an, weil es einfach nicht nötig sein sollte, eine Erklärung abzugeben. Wir werden hoffentlich auch den Punkt erreichen, an dem wir nicht mehr über Gleichberechtigung reden müssen, schlicht und einfach, weil sie Tatsache ist und selbstverständlich.


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