Der Kunde ist König

Von was für einem König reden wir da eigentlich?

So wie im Mittelalter, mit umfassenden Machtbefugnissen, Befehle erteilend und bei nicht Gefallen der Ausführung: Kopf ab? So führen sich auf jeden Fall einige Kunden auf, und wirft meiner Meinung nach ein schlechtes Licht auf sie. Frei nach dem Motto: Ich bin Kunde, ich will es, also musst du es tun! Es liegt vielleicht an meiner rebellischen Herkunft (Schweiz), aber ich lasse mir nur ungerne Anweisungen von Menschen erteilen, vor denen ich keinen Respekt habe. Ich lasse mir auch nicht von Fremden sagen, wie ich meinen Job zu machen habe, ich gehe aber sehr gerne auf Anregungen und Wünsche ein. Also in meiner Welt ist kein Platz für Feudalherrscher oder Tyrannen, denn genau diesen Eindruck machen diese Kunden auf mich. Würde man ein solches Verhalten pantomimisch darstellen, sähe ich ein Kleinkind vor mir auf dem Bauch liegen und mit den Fäusten auf den Boden hämmern. Auch wenn das in manchen Kreisen ein akzeptables Verhalten ist, ich lebe nicht mehr im Mittelalter, meistens auf jeden Fall, und bin definitiv keine Leibeigene. Unhöfliches Auftreten und überrissene Forderungen kommen also ganz schlecht an, und müssen heutzutage auch von Personal nicht mehr widerspruchslos geduldet werden. Die Könige von früher, wurden abgesetzt, ins Exil geschickt und geköpft, das sollte einem auch zu denken geben, wenn man deren Verhaltensweisen adaptiert.

Werfen wir doch auch einen Blick auf moderne Monarchien. Meistens sind dies in Europa sogenannte palamentarische Monarchien, Könige und Königinnen mit sehr eingeschränkten Machtbefugnisse. In einigen dieser Länder muss die Royale Familie selbst gewisse private Entscheidungen vom Parlament absegnen lassen, so zum Beispiel die Hochzeit eines Thronanwärters. Ausserdem sollte ein moderner König beliebt sein, oder zumindest mehr Befürworter als Gegner, denn heute kann man eine Monarchie auch gleich ganz abschaffen. Unakzeptables Verhalten kann schnell den goldenen Stuhl ins Wackeln bringen. Viele Angehörige dieser modernen Königshäuser haben gelernt, dass auch sie in gewisser Weise dienen und eher Wünsche äussern sollten, als strickte Befehle ausgeben. Denn jeder vermeindliche Fehltritt wird aufgebauscht und öffentlich breit getreten. Sind jetzt Kunden solche Könige?

Für mich ist der Kunde ein Mensch. Ein Mensch, der wie alle anderen Menschen höfliche Umgangsformen verdient und, ja, der indirekt meinen Lebensunterhalt mitfinanziert. „The Extra Mile“ gehe ich für Kunden, die höflich und anständig fragen, die sich bedanken, die nicht alles für selbstverständlich nehmen. Das ist für mich gar keine Frage in einer solchen Situation, da versuche ich das Unmögliche hinzukriegen, erst recht, wenn sie mir auch schon mal entgegengekommen sind. Kunden, die anfragen und nicht befehlen, kriegen meistens den besseren Service. Ich bin ja schliesslich auch nur Mensch.

Auch wenn ich mal Kunde bin, begegne ich den Dienstleistern auf Augenhöhe. Ich fühle mich wohler, wenn ich einen ehrlichen Service erhalte. Ganz besonders freue ich mich natürlich, wenn auch für mich jemand einen extra Dienst leistet, denn das ist ein Geschenk. Und lernen wir nicht schon als Kinder, dass man Geschenke nicht einfordert? In dem Sinne, seid respektvoll im Umgang mit anderen Menschen, egal in welcher Position ihr seid, dann werdet ihr auch immer wieder schöne Überraschungen erleben und Menschen treffen, die sich auch für euch einsetzen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s