Ist doch nur für einen Freund

Immer mal wieder stolpere ich auf Facebook über Beiträge, in denen jemand um eine per WhatsApp zugesendete Kopie eines Musikstückes bittet. Besonders frech finde ich es, wenn der Post dann auch  noch in der eigenen Facebook Gruppe der betreffenden Band auftaucht. So auch heute wieder. In den Kommentaren wurde schnell darauf hingewiesen, dass dies illegal ist. Daraufhin fragte ein anderer Nutzer sinngemäss: wieso, er mache ja auch Kopien für einen Freund, und das sei ja auch nichts anderes. Bevor jemand darauf antworten konnte, wurde der Originalpost gelöscht. Also probiere ich auf diesem Weg eine Antwort zu geben.

Ich bin kein Anwalt und hab auch sonst nicht viel mit Urheberrecht zu tun, daher kann hier durchaus ein Interpretationsfehler der Gesetze  meinerseits reinrutschen. Ich werde mich hier vor allem auf die Situation in Deutschland konzentrieren, diese Bestimmungen gelten aber in ähnlicher Form auch in der Schweiz. Auch werde ich versuchen, das Ganze relativ einfach zu halten.

Der Urheber eines Werkes (egal ob Musik, Gemälde, Textes usw.) hat immer auch das Verwertungsrecht desselben. Das heisst, er bestimmt über Vervielfältigung, Veröffentlichung und auch Auf- und Vorführung. Es gibt da aber auch einige Ausnahmen und unter §53 des UrhG finden wir nun die, die Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch behandeln.

Laut diesem Paragraphen darf man also eine CD kopieren, wenn man sie zum Beispiel auf seinen MP3 Player überspielen will, vorausgesetzt man besitzt auch die entsprechende CD. Sind Datenträger mit einem Kopierschutz versehen, tja dann Pech, Kopierschutz entfernen oder umgehen ist illegal. Das gilt übrigens, soweit ich weiss, auch für sichtbare oder unsichtbare Wasserzeichen auf Bilder/Fotos. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes sind sieben private Kopien eines Werkes, das man legal besitzt, gestattet, also ist eine achte Kopie des selben Werkes auch für eigenen Gebrauch bereits illegal.

Weitergeben der Kopien ist auch nicht gestattet, ausser im engen privaten Kreis, und damit sind bestimmt nicht Bekannte aus dem Internet gemeint. Eine Privatkopie ist auch nicht zulässig, wenn „eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird“ (UrhG §53 Abs 1 S.1). Es machen sich hier also beide strafbar, derjenige der die Kopie erstellt in der Absicht sie weiterzugeben, und derjenige, an den sie weitergegeben wird. Wird man erwischt, kann es ganz schön teuer werden, man bezahlt nicht nur eine Busse, sondern auch die Anwaltskosten des Rechteinhabers, unter Umständen ist man auch noch Schadensersatzpflichtig.

Soweit der rechtliche Teil, wollen wir doch auch noch ein wenig den moralischen Aspekt betrachten. Der Urheber hat Arbeit in sein Werk gesteckt und hat Anrecht auf eine angemessene Entschädigung, wenn es verwendet wird. Wenn jemand illegal aus dem Internet runterlädt ist es, als würdet ihr arbeiten gehen und euer Chef bezahlt euch am Ende des Monats nur einen Teil des vereinbarten Lohnes oder auch gar nichts. Gerade von Fans verstehe ich ein solches Verhalten überhaupt nicht. Man müsste doch meinen, dass man die eigene Lieblingsband unterstützt und nicht beklaut.

Ich höre auch öfters das Argument, man habe doch nicht so viel Geld und die Musiker verdienen genug. Tja, ich kann mir im Moment auch kein Auto leisten, also klau ich mir in dem Falle einfach eines? Weil die Automobilhersteller verdienen ja auch genug? Sorry, so funktioniert die Welt einfach nicht. Viele der Künstler können kaum oder gar nicht von dem Leben, was sie durch ihre Kunst einnehmen. Sie sind froh, wenn der Umsatz gross genug ist um die Kosten zu decken. Sonst wird es dann vielleicht eines Tages kein nächstes Album mehr geben. Und selbst wenn sie ein Luxusleben führen würden, ist es noch lange nicht in Ordnung, ihre Rechte zu missachten und zu bestehlen. Ein wenig sparen, zu Geburtstag oder Weihnachten wünschen, ein paar Stunden Babysitten, Rasen mähen, Zeitungen austragen, was weiss ich, es gibt viele Möglichkeiten, aber man muss halt etwas tun dafür, wie so oft im Leben.

Vor einiger Zeit Lasterbalk von Saltatio Mortis zwei gute Artikel geschrieben, in denen es um die GEMA geht. Das hat jetzt nicht wirklich etwas mit Privatkopien zu tun, aber sehr viel mit Urheberrecht und öffentlichem Abspielen von Musik. Wer das gerne nachlesen möchte, hier sind die beiden Links:

Ein paar Worte zur GEMA!

Noch ein paar Worte zur GEMA – ein leider notwendiger zweiter Teil


Ein Gedanke zu “Ist doch nur für einen Freund

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