Von Wunderleggins und anderen Beobachtungen auf dem Campingplatz

Der Schauplatz ist ein Campingplatz in Holland. Meine holländisch Sprachkenntnisse tendieren gegen Null, der Interpretation der Vorgänge sind also kaum Grenzen gesetzt. imageBei der Ankunft war auf dem Areal noch fast alles frei, da aber am darauffolgenden Wochenende ein Festival stattfinden sollte (der Grund für unsere Reise), wurde mit entsprechendem Andrang gerechnet. Der Platz war in verschiedene Bereiche eingeteilt, und wir steuerten den Unsrigen an.

Natürlich waren die einzigen anderen Schweizer auch in genau diesem Bereich und fühlten sich durch uns wohl gestört. Erst recht, als wir unser Zelt in der Nähe ihres Campers aufbauten, es blieb uns aber gar nichts anderes übrig, denn da war der Stromanschluss. Für die nächsten Stunden haben sie uns geflissentlich ignoriert, erst beim Abwasch am nächsten Morgen kam man ins Gespräch, vielleicht auch nur weil sie sowieso  kurz darauf abreisten.

Die holländischen und belgischen Gäste waren da erheblich freundlicher, und haben nach einem „Hallo“ meistens noch etwas gesagt. Das habe ich dann nicht verstanden und so blieben Gespräche relativ kurz. Schade eigentlich!

Einer der Wohnwagenbesitzer scheint hier zu fest zu wohnen, er hat ein eingezäuntes Areal für seine Hunde und ein kleines Gärtchen. Beim Vorbeigehen hat er immer ein Lächeln auf dem Gesicht und scheint sich über den beginnenden Trubel zu freuen. Für uns eine eher ungewohnte Vorstellung, aber andere Länder, andere Sitten.

Die einzige gefährliche Person hier scheint der Mann mit dem Rasenmäher zu sein. Mit seinem in die Jahre gekommenen Gefährt kurvt er in halsbrecherischen Manövern über die Wiesen. Dabei nimmt er keinerlei Rücksicht auf herumliegende Äste und den Waldrand. Alles wird gemäht, einen unserer Heringe hat er nur um Zentimeter verfehlt. Ich nehme zu seinen Gunsten an es war Absicht, das Verfehlen meine ich. Er hat versucht uns nicht mit dem umherfliegenden Rasenstückchen zu treffen, das ist ihm auch gelungen. Aber das mit den zerhäckselten Ästen üben wir nochmal, deren Flugbahn ist aber auch schwer zu berechnen.

Mit dem Eintreffen der Festivalbesucher füllt sich langsam der Platz. Begleitet von den Klängen des Soundchecks beobachtete ich das Geschehen rundherum. Nicht jedes Zelt ist einfach aufzubauen, aber in Hinsicht auf die Gewitterwarnung wäre es von Vorteil, wenn es richtig gemacht wird. Relativ schnell konnte man zwischen geübten Aufbauern und solchen, die das Zelt noch irgendwo auf dem Speicher gefunden haben, unterscheiden.

Das einzig „interessante“ bei den Geübten sind drohende Beziehungsstreitigkeiten, weil einer nicht das macht, was der andere geplant hat. Ich vermute mal das hängt eher mit dem Stress des Alltags zusammen, als mit der Situation vor Ort.

Die ungeübten Aufbauern erkennt man oft an dem verwirrten Gesichtsausdruck beim Anblick der vielen Stangen. Welche gehört jetzt wohin, brauche ich wirklich so viele und was tue ich eigentlich da? Eine Aufbauerin hat schon mal den ersten richtigen Schritt getan, um Hilfe gefragt. Aber nicht etwa bei jemandem, dessen Zelt gerade steht und gut abgespannt ist. Nein sie ist über die halbe Wiese gelaufen, und hat den Besitzer des windschiefsten Zeltes auf dem ganzen Areal gefragt. Dieses Zelt hat wohl in der Nacht zuvor heftig gefeiert, denn es hatte einen ziemlichen  Durchhänger. Die Camperin hat ihres zum Schluss dann doch alleine aufgestellt und das sehr gut. Die meisten Gelegenheitscamper sieht man mit einem Zelt, das der Einstellung „das hält sicher schon irgendwie“ zum Opfer gefallen ist. Verblüffenderweise tut es das auch nach dem Gewitter noch; ob es innen noch ganz trocken ist, kann ich allerdings nicht sehen.

Unsere Camperin von nebenan ist auch ein interessantes Phänomen. Unter Shorts trägt sie zerlöcherte Leggins, so weit noch nichts aussergewöhnliches. Diese Leggins widersetzen sich aber augenscheinlich der Physik oder sind lebendig. Am Mittag waren an der Leggins kaum mehr genügend ganze Stellen übrig, um die Löcher zusammen zu halten. Ein paar Stunden später war bereits das ursprüngliche Muster wieder erkennbar und am Abend hat sich die Leggins wohl entschieden die Trägerin vor den merklich tieferen Temperaturen zu schützen und war beinahe wieder ganz. Geht das auch mit Strümpfen? Von wegen Laufmaschen und so.


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