Aus Leidenschaft für die Musik

Die meisten Bands, die ich höre, können nicht von der Musik alleine leben. Sie arbeiten, teilweise hauptberuflich, um leben zu können und ihre Musik  zu finanzieren. Dies kann man nur über einen längeren Zeitraum machen, wenn die Leidenschaft für das „Hobby“ sehr groß ist. Dieses Leben stell ich mir nicht einfach vor, die Familie, die Freunde und auch die Lebenspartner müssen Verständnis dafür haben und auch mal ihre Bedürfnisse hinten an stellen. Denn dieses Hobby ist eigentlich eher ein Zweitberuf, mit Verpflichtungen gegenüber den Bandkollegen, den Veranstaltern, der Plattenfirma und den Fans. Dies alles geht nur, wenn man für das Projekt brennt und die Opfer dafür gerne bringt.

Wenn es keinen Spaß mehr macht, nur noch anstrengend ist und/oder  man nicht mehr voll dahinter stehen kann, ist es nicht mehr lange bis zu dem Punkt, wo man einfach nicht mehr will/kann. Dann löst sich eine Band auf, oder sucht neue Mitglieder, um Abgänge zu kompensieren.

Diese Passion, die es braucht, fließt auch in die Liedtexte ein. Genau darum mag ich diese Bands so. Die Texte sind geprägt von dem was sie bewegt, oft ungefiltert und ehrlich. Manchmal hübsch verpackt, aber nicht verfälscht. Sie müssen ja keinem „Mainstream“-Publikum gefallen. Die Texte sind aus dem Leben gegriffen, angeregt von dem was inspiriert, zum Lachen und Weinen bringt, zornig macht und träumen lässt. Seien das private Erlebnisse, das Weltgeschehen, soziale Missstände, politische Themen oder persönliche Anfeindungen und ungerechtfertigte Kritik.

Es gibt auch viele Bands, die einfach nur unterhalten wollen, das ist auch in Ordnung so. Auch für diese Bands gibt es Raum und für mich Zeit sie zu hören. Meine Leidenschaft gilt aber den Bands, die auch mal unbequeme Wahrheiten thematisieren. Wenn Bands wie Metusa oder Saltatio Mortis live auftreten, dann gibt es auch mal eine Songansage, die nochmals deutlich darauf hinweist, wie der Song entstanden ist. Das kann ein politisches Statement sein oder auch eine Aussage zu sozialen Missständen. Ich finde das richtig und es gibt den Songs zusätzliche Bedeutung.

Warum ich das jetzt schreibe? In letzter Zeit lese ich immer wieder Kommentare von Fans oder MPS Besuchern, die fordern, man solle doch bitte keine politischen Aussagen auf der Bühne machen respektive soziales und politisches Engagement verschweigen. Das Publikum wolle lieber nur feiern und dabei nicht von ernsthaften Themen gestört werden. Solche Aussagen machen mich wütend, nicht weil ich immer mit den Ansichten der Bands übereinstimme, sondern weil diese Dinge den Menschen auf und hinter der Bühne wichtig sind. Da kommen wir wieder zur Leidenschaft. In den Texten und den Auftritten steckt eben diese Leidenschaft, die sie jedes Wochenende in den Bus oder das Auto steigen, mehrere hundert Kilometer fahren und nach eigenhändigem Aufbau für uns spielen lässt.

Außerdem sind die Aussagen nie extremistischer Natur, sondern regen eher zum Denken an, etwas das heutzutage leider manchmal zu kurz kommt, scheint mir. Da dieses Thema immer wieder in den sozialen Medien auftaucht, wurde wohl ein Nerv getroffen. Es ist ein Zeichen dafür, dass Missstände lieber ignoriert werden und Ignoranz ändert nichts, im Gegenteil. Wie ich schon in einem anderen Beitrag erwähnt habe, Schweigen ist nicht neutral! Wir brauchen Leute, die den Mund aufmachen abseits einer politischen Veranstaltung. Wer das nicht hören will, hat sich möglicherweise die für ihn falsche Band ausgesucht. Vielleicht sollte  derjenige aber einmal darüber nachdenken, warum ihn das so sehr stört…

Ich aber will weiterhin hören, was die Bands zu sagen haben, möchte wissen was hinter den Texten steht, die ich mitsinge und beklatsche. Und wenn ich mal einen Tag habe, an dem ich nicht empfänglich bin dafür, dann höre ich für einmal nicht hin. Wie gesagt, es regt zum Denken an, es zwingt niemanden dazu.


3 Gedanken zu “Aus Leidenschaft für die Musik

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