Furoshiki inspirierte Umhängetasche

Am Festival/MPS letztes Wochenende hat mir etwas gefehlt, eine Tasche. Ich habe ja normalerweise meine Gürteltaschen dabei, aber um Einkäufe zu verstauen oder Dinge wie Sonnenschutz und Kamera mitzunehmen sind sie einfach zu klein. Laju hat uns einen einfachen Beutel genäht passend zu ihrem Kostüm. Da sie aber nicht immer alles für uns herum schleppen sollte, wollte ich etwas in „meinen“ Farben. Ich hatte da schon eine Idee, wie so eine Tasche für mich aussehen sollte, und logischerweise genau das nicht gefunden auf dem Festival. Da muss Frau halt selber Hand anlegen.

Wie das Schicksal es wollte, musste ich Montag noch schnell ins Kaufhaus in die Nähabteilung, ich suchte noch einen farblich passenden Faden für selber eingefärbten Stoff. Da haben sie doch tatsächlich eine kleine Ausstellung mit allem was man braucht, um selber eine Tasche zu nähen, unter anderem einen tollen Leinenstoff in verschiedenen Farben. Da konnte ich nicht widerstehen.

Die Anforderungen an die Tasche waren klar: man musste die Hände frei haben und sie durfte nicht allzu schwer sein. Ausserdem hatte ich nicht viel Zeit zum nähen, fahren wir doch am Samstag in Urlaub, also auch nichts aufwendiges. Bei der Recherche im Internet bin ich irgendwann über Furoshiki gestolpert. Furoshiki ist ein quadratisches Tuch, das mit Hilfe von Knoten zu Taschen oder Geschenkverpackungen geformt werden. Echt faszinierend, praktisch und sieht auch sehr schön aus. Ich wollte aber nicht immer wieder neu Knoten, daher hab ich mir überlegt, wie ich diese Technik mit der Nähmaschine umsetzen kann. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis und teile gerne mit euch wie ich sie gemacht habe.

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Eckdaten

1m x 1.5m Leinen (Oberstoff)

1m x 1m Baumwolle (Futter)

Faden

Kosten ca. 30 CHF

Zeitaufwand ca. 2 Stunden

Arbeitsschritte

Als erstes habe ich den Leinenstoff zugeschnitten, ein Quadrat mit den Massen 1m x 1m, ebenso den Futterstoff. Die beiden Teile werden nun rechts auf rechts zusammengesteckt und den Kanten entlang zusammengenäht, bis auf eine Ecke. Da mein Leinenstoff nur 1m x 1.5m war, habe konnte ich kein extra Stoff für die Naht dazu gegeben, sondern habe jetzt ein Quadrat mit der Seitenlänge 98cm. In den Ecken die Nahtzugabe schräg zurückschneiden und dann wird das gute Stück gewendet, indem ich es durch die offen gelassene Stelle ziehe. Zuerst habe ich die Ecken und Kanten schön ausgeformt und dann schmal abgesteppt und dabei die offene Ecke zugenäht. Diese Ecke sieht bei mir nicht ganz so toll aus, macht aber nichts, bei der Tasche sieht man diese am Ende nicht mehr.Grundschema

Eigentlich könnte man jetzt mit zwei bis drei Knoten bereits eine Umhängetasche machen, allerdings ist mein doppelter Stoff relativ dick. Nun wird der Stoff mit dem Futter nach oben ganz ausgebreitet. Schaut euch die Ecken gut an, die schönste sollte die Taschenklappe (B) werden, das ist nämlich die einzige, die man richtig gut sieht. Die gegenüberliegende Seite (D) wird zur Vorderseite der Tasche.

Damit die Tasche nicht gleich wieder aufgeht, habe ich die Ecken (A) und (C) gefaltet. Bei der traditionellen Methode erreicht man dies durch Verdrehen und Verknoten der Enden. Dazu habe ich die Ecke gedrittelt, zuerst Kante (1) bis leicht über die Mitte umgefaltet und danach Kante (2), so dass sie bündig mit der neu entstandenen Kante ist. Damit das hält habe ich entlang der roten Linie über die Ecke gesteppt. Ich habe das bei Ecke (C) wiederholt, auch wieder die Vorderkante, also hier (4) und danach die Kante der Taschenklappe (3) darüber und wieder festgesteppt.

Da mein Quadrat ein wenig klein für eine so genannte Cross Body Tasche ist, eine Tasche die also quer über den Torso getragen werden kann, habe ich die Ecken (A) und (C) nicht einfach verknotet oder zusammengenäht. Vom Rest des Leinenstoffes habe ich einen Stoffschlauch gemacht. Zuerst musste ich entscheiden, wie breit der Träger auf der Schulter sein soll, dies Mass x2 plus 2 mal die Nahtzugabe ergibt die Breite des Schnittmusters. Für die Länge habe ich erst geschaut an welcher Stelle die beiden Ecken (A) und (C) die richtige Breite haben, dann den Abstand zur Spitze genommen. Die Gesammtlänge des Schlauches ergibt sich nun aus den beiden Abständen, um wieviel verlängert werden muss und wieder 2 mal die Nahtzugabe respektive hier die Saumzugabe. Aber um ehrlich zu sein hier kommt es nicht auf den Milimeter genau an, ein genaues Schnittmuster anzufertigen ist vor allem für Nähanfänger wichtig, Erfahrene  und Ungeduldige wie ich können das gerne auch mittels Drapage maIMG_2725chen. Wie man hier sieht ist es nicht ganz perfekt geworden, aber das kann ich verschmerzen.

Nun wird die Längsnaht des Schlauches geschlossen in dem der Stoff längs gefaltet wird (rechte Stoffseite auf rechte Stoffseite) und dann entlang der Nahtzugabe genäht wird. Dann das Stück wenden, so dass die rechte Seite aussen ist. Die Saumzugabe wird nach innen umgeschlagen und festgesteckt. Nun werden die beiden Spitzen (A) und (C) von den beiden Seiten in den Schlauch geschoben, bis sie die selbe Breite haben. Feststecken und schmalkantig absteppen.

Jetzt braucht die Tasche noch ein wenig Form, dies erreicht man, in dem man in die vordere Ecke (D) einen Knoten macht, ungefähr auf halber Länge zur Mitte des ursprünglichen Quadrates. Da müsst ihr ein wenig ausprobieren wie es am besten passt, es ist auch von der Stoffdicke abhängig. Der Knoten wird dann in die Tascheninnenseite gelegt und der Stoff so zurecht gezupft, dass sich ein Beutel ergibt. Die nächste Tasche in diesem Stil, wird dann einen Reissverschluss haben. Dementsprechend wird bei (D) keine Ecke und kein Knoten sein und der Stoff muss da in Falten gelegt werden, mal schauen wie ich das löse.

Die Tasche ist fertig so weit und und „gebrauchsfertig“. Im Campingurlaub habe ich sicher Zeit sie noch etwas aufzuhübschen und zu besticken und vielleicht noch einen Verschluss zu befestigen.


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