Über Inkonsequenz und Scheuklappen

Es kommt mir so vor, als seien Manieren und Anstand Mangelware, Respekt gerade ausverkauft und Toleranz aus dem Sortiment genommen worden.

Einige werden relativ schnell merken, warum ich mich gerade ein wenig „echauffiere“, die haben dann offensichtlich einen bestimmten Post und vor allem einige der Kommentare auf dem Gesichterbuch gelesen. Für alle die es nicht getan haben, nicht so schlimm, es geht mir eher um das Thema allgemein, als um einen speziellen Fall.

Gerade in der heutigen Zeit mit den sozialen Medien kann eigentlich jeder mit jedem in Kontakt kommen. Ausbildung, Neigungen, Herkunft und Weltanschauungen spielen nicht mehr so eine Rolle in dieser Hinsicht. Das ist eigentlich schön, weil Grenzen und Mauern fallen können. Es können auch Hemmungen wegfallen, jemanden anzusprechen. Leider fallen aber auch ganz andere Hemmungen.

Man ist teilweise anonym in diesen Netzwerken, aber ist das ist doch noch lange kein Grund andere zu verbal zu attackieren, persönlich anzugreifen und auch zu verletzten. Zum Teil ist es blosse Gedankenlosigkeit, was nichts entschuldigt, manchmal ist es aber auch beabsichtigt. So als kleiner Hinweis am Rande, die Gesetze gelten auch im Internet und so anonym wie ihr glaubt, seid ihr nicht. Diese Äusserungen sind nicht ganz ungefährlich, sie verändern sie Wahrnehmung davon, was akzeptabel ist, wie man mit anderen Menschen umgeht, wie man mit Kritik umgeht, wie man seine Meinung äussert. Zu sagen das ist halt so, oder einfach wegzuschauen ist keine Lösung, das ist es nie. Es ändert nichts, im Gegenteil. Wenn etwas nicht richtig läuft: Mund auf! Nichts zu sagen, legitimiert.

Wir haben Meinungsfreiheit, genauer Meinungsäusserungsfreiheit (da geht es uns besser als Menschen in anderen politischen Systemen) und das gilt für jeden in dieser Gesellschaft. Dabei spielt es keine Rolle wer man ist, ob andere es hören wollen oder ob sie der selben Meinung sind. Auf der anderen Seite muss man auch die Erwiderung akzeptieren, denn auch das ist eine Meinungsäusserung. Ach ja, definiert ist das übrigens als Verbreitung einer Meinung in Wort, Schrift und Bild, andere Mittel gehören nicht dazu und das Faustrecht ist keine Rechtsform.

Wenn ich jetzt hier meine Meinung niederschreibe, darf man also anderer Meinung sein und diese auch sagen, schreiben, kommentieren. Da kann ich dann auch wieder meinen Senf dazu geben und so weiter. Was man nicht darf, ist mir verbieten zu wollen, meine Meinung zu sagen, so das Prinzip. Es gibt noch ein paar Ausnahmeregelungen, bei uns gibt es zum Beispiel das sogenannte Antirassismusgesetz. Dies hier ist mein Blog, das heisst dass ich bestimmen kann, was hier veröffentlicht wird. Ich halte nicht viel von Zensur, weil jemand anderer Meinung ist, wovon ich jedoch sehr viel halte, ist Respekt. Beleidigungen und Ehrverletzungen sehe ich nicht als Meinungsäusserung an, und das Gesetzbuch übrigens auch nicht.

Alles zu ignorieren, was nicht der eigenen Meinung entspricht, kann zwar das Leben extrem erleichtern, aber man verschliesst damit auch die Augen, vor Dingen die nicht richtig laufen. Da wir ja nur Menschen sind und nicht perfekt, könnte auch sein, dass wir mit Ignoranz verpassen, Neues zu lernen und vielleicht auch mal die Meinung zu ändern.

Demjenigen, der mir sagt, er will nicht, dass ich meine Meinung sage, oder wenn, dann nur in bestimmter Form und zu bestimmten Themen, oder es gar wagt mir vorzuschreiben welche Meinung ich vertreten soll, dem sag ich nur eines: meine Meinung!

 

 


Ein Gedanke zu “Über Inkonsequenz und Scheuklappen

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