Zirkus Zeitgeist Teil 1 – eine unerwartete Reise

Im August 2015 hat Saltatio Mortis, eine meiner Lieblingsbands, ein neues Album veröffentlicht: Zirkus Zeitgeist. Bereits Anfangs Jahr hatten sie bereits die ersten Tourdaten für die dazugehörige Tour bekannt gegeben. Da der Tourstart ausgerechnet an meinem Geburtstag, und dann noch ein Runder, in Köln geplant war, hatte ich schon früh die Idee da zu feiern.

Laju war schnell überzeugt, aber Köln ist nun nicht gerade um die Ecke. Eine gute Freundin von uns wohnt in der Nähe von Düsseldorf, und es war sowieso schon länger die Rede davon, mit ihr zusammen zu feiern. Also hab ich auch da meinen Wunsch angemeldet und bald schon waren die Tickets bestellt, zusätzliche Argumente hat da die Band gleich selber geliefert auf dem MPS in Dortmund. Das Album war noch nicht veröffentlicht, aber an diesem Anlass haben sie zwei der neuen Songs das erste Mal live gespielt und überzeugt.

Das einzige Konzert bei uns in der Nähe, in Pratteln, hatte bei uns noch ein Fragezeichen, unter anderem weil man ja nicht unbedingt mehr als ein Konzert der Tour besuchen muss. Wir sollten eines besseren belehrt werden.

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Gleich geht es los! Essigfabrik Köln

Das ganze Jahr über organisierten die Totentänzer Fan-Aktionen, um die Band zu überraschen, diese feierte nämlich ihr 15 jähriges Bestehen. Auch für Köln war etwas geplant. Beim Lied „Wo sind die Clowns“ haben viele Fans in den ersten Reihen eine rote Clownsnase aufgesetzt. Wir mittendrin und voll dabei, nach dem Motto: hier ist der Spass, das Lachen und der Leichtsinn. Es war ein gigantischer Abend in der ausverkauften Essigfabrik. Auch die Supportband Nachtgeschrei hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen und Lust auf mehr geweckt.

Nach einem gemütlichen Freitag, sollte es dann am Samstag wieder nach Hause gehen. Doch Spass und Leichtsinn war an diesem Samstag plötzlich ganz weit weg, und geschockt und ungläubig haben wir die Nachrichten über die Anschläge in Paris verfolgt. Ein Arbeitskollege von Laju wollte ursprünglich an das Konzert im Bataclan gehen, sie wusste nicht ob er hingefahren ist, und ein Bekannter von mir hat auf Nachrichten von seinen Freunden gewartet, die definitiv am Konzert waren. Die erlösenden Nachrichten kamen erst Stunden und Tage später.

Wir haben uns dann, später als geplant, doch noch auf den Weg gemacht. In gedrückter Stimmung und mit den Gedanken nicht im hier und jetzt, haben wir uns von Yannick, unserem Navi, lotsen lassen. Normalerweise sehen wir Yannick als Berater, der gerne auch mal ignoriert wird, wenn uns die Vorschläge nicht passen. An dem Tag sind wir seinem Ratschlag widerspruchslos gefolgt, was ziemlich viel über unsere Verfassung aussagt. Ich fühlte mich gefühlsmässig wie gelähmt und taub, also nicht unbedingt ideale Voraussetzung zum Autofahren. Nach etwas mehr als 2 Stunden unterwegs, wurde mir klar, dass uns Yannick dieses Mal, wegen der vielen Baustellen um Karlsruhe, über Würzburg leiten würde, wo an diesem Abend Saltatio Mortis auftreten würde. Ich wusste, dass das Konzert nicht ausverkauft war, also war es doch die vernünftigste Entscheidung ein Hotel zu suchen und an der Abendkasse Tickets zu holen, oder nicht?

Für einige mag es vielleicht pietätlos erscheinen, wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, an dem Abend das Leben zu feiern. Uns ging es darum, die Freiheit zu leben, laut zu sein, uns nicht einschüchtern lassen. Ich weiss nicht, wie schwer es für die beiden Bands war, aufzutreten und Stimmung zu machen. Aber sie haben es getan, und wie! Die Musik hat mir ermöglicht, wieder zu fühlen, auszubrechen, die Wut zuzulassen, rauszuschreien und dann auch loszulassen. Ich hab Tränen geweint und gelacht, das Leben gespürt und das erste Mal an diesem Tag befreit durchatmen können.

Ich habe nicht vergessen oder ignoriert, was in Paris passiert ist, dass viele Menschen gestorben sind und viele verletzt und traumatisiert wurden. Ich habe einen Weg gesucht, damit umgehen zu können, nicht zu vergessen, was Leben bedeutet. Nicht gleichgültig oder verbittert werden, sich hinlegen und erdulden, sondern aufstehen und dagegen halten, vielleicht nur im Kleinen, aber nicht alleine. Um von so viel Dunkelheit, so nah, nicht vereinnahmt zu werden, habe ich das Licht gebraucht!

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

 

 

 


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